"Kopfing. Steinreich im Wald"

Der Artikel "Kopfing. Steinreich im Wald" wird  2017 im Bundschuh zu lesen sein.

Der geographische Schwerpunkt liegt im Westen Kopfings, rund um Ameisberg und Schefberg und den südlichen Ausläufern des Sauwaldes westlich der Edtstraße bis zum Eisenhut.

Es geht einerseits um die Geschichte der gewerblich genutzten Steinbrüche "Kammerer" und "Kapsreiter, Ach", - andererseits wird die Arbeit der Steinmetze bzw. Steinhauer in den vielen bäuerlichen "Brüchen" beschrieben.

Unten werden einige Schwerpunkte grob dargestellt.

Die Steinmetzarbeit war hart und reich an Entbehrungen. Trotzdem wurde sie in vielen Familien über Generationen ausgeübt.

Das Kloiben (= abspalten) der Granitblöcke geschah bis in die ersten Nachkriegsjahre des 2. Weltkriegs. Dazu wurden als „Büchsen“ bezeichnete Keiltaschen mit Hammer und Meißel ausgestemmt. Mit Keilen wurde dann versucht, den Stein vom Granitfelsen abzusprengen, um ihn später weiter in die gewünschte „Form“ verarbeiten zu können.  Diese Büchsen (Fotos) als Ansätze für die Spaltkeile zeigen heute noch die einstige Schwerarbeit, Steine so zu spalten, dass die abgespaltenen Steine an Ort und Stelle weiter zu bearbeiten (zu „kloiben“) waren.

Die Büchsen wurden in der Zwischenkriegszeit immer kleiner und damit das Kloiben berechenbarer. Um den 2. Weltkrieg begann man zuerst zu bohren und dann zu schießen: In die Bohrlöcher wurde Schwarzpulver als Sprengmittel eingebracht, wenn man für die weitere Verarbeitung ebene Flächen brauchte, und Donarit, falls es um die Gewinnung von Bruchsteinen ging..

Jeder Steinhauer schaute sich den zu bearbeitenden Stein ganz genau an und suchte seine "Lassen", bevor er zu arbeiten begann. War der abgespaltene Stein auszuhöhlen, dann wurden die „Randl“ (Ränder) zuerst gehauen: zu groß war die Gefahr, dass ein fast fertig ausgehöhlter Grander bei der Bearbeitung der dann dünnen Wände noch zu Bruch ging.  

In den Wäldern manchmal noch zu findende Bruchstücke und gebrochene Werkstücke zeigen, dass die Steinmetzarbeit nicht immer von Erfolg gekrönt war. Die Fotos zeigen eine Obstwalze, die kurz vor der Fertigstellung brach, und einen mehr als zwei Meter langen Ursch, der während der Bearbeitung vor Ort zu Bruch ging und im Wald zurück gelassen wurde.

Zwei Familien stehen für das Steinhauergewerbe auf der Ach seit den 1870er-Jahren. Die Söhne der Familien GRUBER und BEHAM übten das Steinhauergewerbe auf der Ach rund 100 Jahre lang aus.

Aus dem 1893 eingereichten Ansuchen des Steinmetzmeisters Josef Gruber für die Betriebsgenehmigung für einen "herrschaftlichen Steinbruch auf der Ach" geht hervor, dass der Steinbruch erstmals 1882 von der Fa. Poschacher (Mauthausen) genutzt wurde. Josef Gruber kam als Vater des Steinmetzes Balthasar Gruber im Häusl beim oberen Aherndl auf die Welt und erbaute dann 1885 das Witzanihäusl (ursprünglich als "Steinhauerhäusl" bezeichnet), wo seine Söhne Josef und Johann - beide wieder Steinmetzmeister - geboren wurden. Beide Häuser existieren nicht mehr.

Der Steinmetz Johann Beham kaufte 1875 das Webergütl auf der Ach und erhielt schon 1886 die Konzession für das Steinhauergewerbe; er stammte vom Kammerer in Neukirchendorf 10 (Stein). 3 Generationen von "Alois Beham" arbeiteten hier als Steinmetze, ein Bruder Martin Beham lebte als Steinmetz im Maurerhäusl in Kahlberg.

Martin Strasser (l.) u. Anton Bubendorfer (r.) um 1930 vor von ihnen hergestellten Presswalzen, wegen der quadratisch auszustemmenden Löcher eine handwerkliche Herausforderung für jeden Steinmetz. Martin Strasser (1905-1960, Paulsdorf) lernte das Steinmetzhandwerk bei den beiden "führenden" Meistern auf der Ach: 1928-1930 bei Johann Gruber bis zu seinem Tod und dann bei Alois Beham von 1930-1931.

Arbeiter im Steinbruch um 1951 vor der Hütte zur Leistensteinerzeugung (Namen nicht gesichert, Hinweise erbeten): 

v.l.n.r. Straßl Franz (Sohn), Beham Martin, ?, Beham Martin (Sohn), Straßl Johann (Tochter: Fuchs Resi), Greiner Hermann, Reitzelsdorfer Hans, Doblinger Hermann, Beham Alois (sein Sohn ist ganz rechts), Kazmicak Maria, vorne sitzend Doblinger Johann, Grüblinger Josef (?), Beham Alois (Achbauer).

Der Kapsreiter - Steinbruch Ach gab seit 1942 vielen Menschen Arbeit. In der Blütezeit der 70er-Jahre waren es mehr als 70 Steinhauer und Hilfsarbeiter, die hier beschäftigt waren: Eine einzige große Sprengung brachte Arbeit für ein ganzes Jahr.

Nach dem Tod von Dr. Gustav Kapsreiter (1922-1980) wurde 1986 die Bauholding zerschlagen und auch der Steinbruch verkauft. Es folgten einige weitere Besitzer, doch mit Jahresende 2007 wurde der Steinbruch endgültig stillgelegt. Die Grube ist heute mit Wasser gefüllt, der Steinbruch hat sich zu einem ökologischen Kleinod entwickelt.

Der Kammerer Steinbruch (Foto links) unterhalb von Kopfingerdorf ist schon ziemlich verwachsen, er war wie der Steinbruch Ach (Foto daneben mit Holzkran nach dem 2. Weltkrieg) einer der beiden gewerblich genutzten Steinbrüche im Gemeindegebiet von Kopfing. Zwischen Schefberg und Eisenhut gab es in den Wäldern auch viele  kleine bäuerliche Steinbrüche. Aus den Granitgruben und Blockhalden wurden Steinblöcke für Hof und Haus gekloben: Daraus entstanden Türstöcke und Fensterumrandungen, Gredplatten, Tröge und Ursche, Gattersäulen und Grenzsteine etc. …)

Um 1900 war Mathias Kammerer schon als Steinmetz tätig, von 1905-1939 besaß er als Steinmetzmeister die Konzession für das Steinhauergewerbe (Foto um 1930, mit den Steinhauern Heinrich Fischer (l,) und Rudolf Pointner (Graber Rudl, r.). Der Steinbruch war unterhalb vom "Dicknbaun" (Eichinger in Kopfingerdorf), durch die Heirat mit der Zimmermannstochter Rosa Feichtner kam er ins Fischerhäusl nach Götzendorf (Kopfing 13).

Wie Johann Beham, Steinmetzmeister auf der Ach, stammte er vom Kammerergut in Neukirchendorf 10. 

Sein Sohn Johann Kammerer ("Der Masta bin i") übernahm und vergrößerte den Betrieb durch den Pachtsteinbruch vom "Freilinger" beim Eisenhut (Grüneis in Raffelsdorf), ehe er 1955 die Konzession zurücklegte.

Seit ca. 1900 wird Mathias Kammerer als der "Straßenbaumeister Kopfings" bezeichnet. Vor allem die von ihm gebauten steinernen Bogenbrücken (Foto: Brücke vor dem Rathschmied in Leithen) galten als ein Zeichen seiner Handwerkskunst - er selber übernahm sogar fünf Jahre Garantie für das Halten des Schlusssteines am Gipfel des Brückengewölbes.

1878 wurde die Straßenverbindung zwischen Kopfing und Sigharting gebaut. Nahe dem „Eisenhut“ an der südlichen Gemeindegrenze Kopfings zu Diersbach befand sich oberhalb der mit einer Trockensteinmauer abgesicherten Zufahrt der vom Freilinger (Grüneis) gepachtete Eisenhut-Steinbruch. (Foto rechts).

Das Steinmaterial für die Trockenstein – Böschungsmauern und die in dieser Form (Fotos links) selten vorkommende Bachverbauung aus Stein kam von einigen kleineren Abbaustellen direkt neben der Trasse der damals neuen Straße.  90 Jahre später wurde sie neu trassiert und staubfrei gemacht.