Hammerschmiedleb'n am Tiefenbach

Die Hammerschmiede am Tiefenbach gehörte zum Bauerngut Beharding 1 - der Erbauer und Betreiber der Hammerschmiede war Georg Stier, der Hausname des Bauernhofs erinnert heute noch daran.

Georg Stier ließ 1869 die Hammerschmiede bauen und er bestellte auch die jeweiligen Hammerschmiedmeister: Franz Kübelböck (1869-1890), Leopold Jellinger (1890-1905), Josef Woitsche (1905-1919). Gemeinsam war ihnen allen die Herkunft aus dem Mühlviertel und ein kurzes Leben; Hammerschmiedmeister wurden nicht alt.

Als 1919 der letzte Hammerschmiedmeister verstorben war und zugleich die Umrüstung der Hammerschmiede von der Wasserkraft auf elektrische Energie anstand, kam das Ende der Hammerschmiede am Tiefenbach.

Leopold Luser erwarb 1920 die Schmiede in Beharding 5 vom Nachfolger des Georg Stier, Franz Fuchs. Der aus der Gegend um Brünn (Mähren) gebürtige Wagnermeister Luser vererbte das "Häusl" 1954 an seinen Sohn Franz Luser, der 1957 seinen Wohnsitz in den "Dobl" (Wollmannsdorf 4) verlegte.

Der Plan der Hammerschiede des Georg Stier (1869) gibt auch Hinweise auf das Leben und die Arbeit der Hammerschmiede. Die Wohnung im 1. Stock blieb in den Grundzügen bis 1955 erhalten.

Die Situierung zeigt den sehr langen Wasserkanal zu den 3 Wasserrädern der Hammerschmiede, deren Arbeitsabläufe aus dem Plan ablesbar sind: Das erste der drei oberschlächtigen Wasserräder betrieb den schweren Schwanzhammer, das zweite kleinere Wasserrad war für den Blasbalg zuständig, das dritte Wasserrad trieb über eine Transmission den Schleifstein an.

Die beiden Essen befanden sich in den Ecken der Schmiede, ganz in der Nähe stand jeweils ein Amboss. Über Hinweise dazu, wie der Blasbalg genau mit dem Wasserrad verbunden war, bin ich dankbar.

Das notwendige Eisen wurde in Stangenform geliefert, die für den Betrieb der Essen notwendige Holzkohle wurde gleich oberhalb der Schmiede "gekohlt".

Die Fotos oben zeigen die von Leopold Luser gekaufte Hammerschmiede und (rechts) den von ihm errichteten landwirtschaftlichen Zubau für die Haltung von Ziegen bzw. einer Kuh - nur mehr Reste von Steinmauern erinnern heute noch an diese Gebäude.

Diese Bilder zeigen die freie Lage von Tiefenbach und Hammerschmiedmühle. Nur die steile Leite hinter dem Haus und oberhalb des Wasserkanals zeigt einen Jungwald. Auch Richtung Kopfingerdorfer Straße gab es nur Wiesen und Felder. Heute sind die Steilhänge beiderseits des Tiefenbaches bis zur Mündung in die Pfuda (unterhalb des Eisenhut) dicht bewaldet ...

Dieses Foto 1940 zeigt das Gebäude der Hammerschmiede noch so, wie diese im Jahr1869 erbaut worden war. Innerhalb der weiß getünchten Mauern befand sich die Schmiede; die Wasserräder und der Wasserkanal waren an der Rückseite des Hauses, neben dem linken Hauseck ist noch zu erkennen, wie das Wasser zurück in den Tiefenbach floss.

Zur Hammerschmiede gehörte auch ein Elektrizitätswerk: Der Stromabnehmer (beim Fenster ganz links) und die Lampe (auf einem Holzbalken am rechten Hauseck der Schmiede) weisen darauf hin, dass schon gegen Ende des 1. Weltkriegs eine "Dynamomaschine" Licht- und Kraftstrom für das Stiergut in Beharding 1 erzeugte. 

Nach dem To des letzten Hammerschmiedmeisters Josef Woitsche 1919 verkaufte Georg Stier 1920 die Hammerschmiede an den Wagnermeister Leopold Luser. Im Kaufvertrag ist die Betreuung dieses Elektrizitätswerkes detailliert angeführt; und es gibt darin auch Hinweise auf eine zum Stiergut gehörige Hausmühle nahe der Hammerschmiede.

Für Interessierte eine kleine Skizze der Reste der Hammerschmiede, die schön langsam von der Natur zurück erobert werden.

Die Granitplatte der Brücke über den Tiefenbach stammt noch aus der Zeit des Baues der Hammerschmiede (1869), der Baurest mit dem Rohr (rechts) erinnert an den kleinen landwirtschaftlichen Zubau ("Adlgrube") des Leopold Luser.