Das Glatzinger Bründl

Die ursprünglich im 18. Jh. beim für heilkräftig gehaltenen Wasser des Glatzinger Bründls errichtete Kapelle zog früher viele Leidende an - ursprünglich stand bei der Quelle nur ein Marienbildnis. Später wurde ein hölzerne Kapelle erbaut.

Nachdem Josef II 1785 die Schließung der außerhalb des Kopfinger Friedhofes erbauten Filialkirche Maria Bründl (1753 - 1756, im Volksmund "Rotbründl" genannt) verfügt hatte, kam es zur Verlegung nach Glatzing.

Das Kirchlein mitsamt dem Patrozinium "Maria Heimsuchung" wurde beim Glatzinger Bründl neu errichtet, dort in der Gegend soll 1755 ja auch die wundersame Erscheinung des vierstrahligen Sterns zu beobachten gewesen sein. Aus der hölzernen Kapelle neben dem Heilbründl war schon 1790 ein massiver Steinbau geworden.

Name wie Bedeutung des "Rotbründl" dürften nach dem Abriss der Kopfinger Filialkirche zum Glatzinger Bründl "gewandert" sein, ebenso wie die Bezeichnung "Rotbründlinger" zu den dort lebenden Menschen.

Aus dem Jahr 1902 stammt eine der ältesten Ansichten der um 1790 erbauten Glatzinger Bründlkapelle neben dem damaligen Bründlwirtshaus (Johann Kislinger in Engertsberg 13).

Interessant der auf dem linken Foto gut erkennbare Straßenverlauf: Der Weg führt zwischen dem Bründlwirtshaus und der hölzernen Kegelbahn (?) direkt zur Kapelle, von wo auch eine Abzweigung Richtung Matzelsdorf führte (heute Kreuzweg).

Auf diesem Foto (rechts unten) ist auch der kleine Weiher zu sehen, in dem Monika Feuersänger (1942, rechtes Bild) als Kleinkind ein Bad nimmt.

Diese Ansichtskarte (vor 1910) zeigt wieder das Ensemble Glatzinger Bründkapelle und Bründlwirtshaus - was auch bis heute die Besitzverhältnisse wiedergibt.

Die Kopfinger Filialkirche Maria Bründl - kurz als Rotbründlkapelle bezeichnet - ist seit 1583 belegt. Sie stand auf der Einmündung der "Pfarrer Gröpp'n" in die Dorfstraße. Das eisenhaltige Wasser sorgte wohl für den Rost in der blechernen Rinne und damit für das "Rot" des Bründls.

1785 wurde das Kirchlein unter Josef II. geschlossen; damals kam durch eine neue Pfarreinteilung Engertsberg mit den umliegenden Orten von der Pfarre Raab zur Pfarre Kopfing.

Charakteristisch bis in die 20er-Jahre blieb das kleine Türmchen der Bründkapelle in Glatzing.

Der Überlieferung nach wird das Wasser zum Waschen der Augen verwendet, es wurde aber auch immer schon getrunken.

Die Kapelle schmückten echte Votiv- und Ölbilder, zerbrochene Krücken und Gehstöcke wurden als Zeichen für Heilungen zurück gelassen. Das Glatzinger Bründl war zu einem Wallfahrtsort geworden.

Seit etwa 1930 zeigen die Fotos der Bründlkirche einen neuen, höheren Turm und eine Vergrößerung durch den apsisartigen Zubau.

Der Innenraum war mit vielen Votivbildern und Weihegaben geschmückt.

Wallfahrten und Bittprozes­sionen aus der Umgebung und aus Bayern wurden bis in die 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts noch häufig durchgeführt. Besonders nach dem 2. Weltkrieg waren viele Wallfahrer gekommen, um für das Ende des Krieges zu danken.

Von der Bründlkirche führt bergauf in den Wald Richtung Matzelsdorf ein Weg (Foto links, um 1935), der als Kreuzweg (Foto rechts) gestaltet war und im Jahr 2000 mit neuen Stationen versehen wurde.

1978 Segnung der Bründlkapelle
1978 Segnung der Bründlkapelle

Der Kapellenbau von 1978 (Foto 2011) wurde unter Dechant Alois Heinzl als moderner Kapellenbau gestaltet. Wegen des nassen Quellgrundes wurde der Neubau gegenüber der alten Kapelle etwa 10 m vorverlegt.

Die Gnadenstatue (Bauernbarock, aus Eichenholz) über dem Bründl beim Eingang zur Sakristei wurde renoviert und hinter Glas gestellt. Sie stand schon bei der alten Kapelle über der heilkräftigen Quelle.

Das Kapelleninnere dominiert ein geschnitzter goldener Schrein, in dem die restaurierte Gnadenstatue der Mutter Gottes aus der Barockzeit zu sehen ist. Die kleinen Figuren des Johannes Nepomuk und Petrus Kanisius sind Kopien der den ursprünglichen Rotbründl-Altar in Kopfing um 1750 schmückenden Figuren.

Unter den Votivbildern an der Chorbrüstung befinden sich zwei der schönsten Weihegaben (über dem Eingang zum Beichtraum eine mit Stäbchen-Schnitz­rahmen, der ein Kreuzpartikel enthält, und zum Glockenhaus).

Das Bild der schmerzhaften Gottesmutter vor den Kreuzwegbildern, die ebenfalls aus der alten Kapelle stammen, an der rechten Seite dürfte wie mehrere Votivbilder von einem Schwanthaler – Votivmaler aus Enzenkirchen gemalt worden sein.

Die beiden Fenster (Glasmalerei des Stiftes Schlierbach) begrenzen die Altarwand mit dem Schrein mit der Mutter Gottes . Links und rechts davon befinden sich die Statuen des Heiligen Johannes Nepomuk und des Heiligen Pfarrers von Ars - Johannes Maria Vianney und zwei Engelköpfe. Über dem Schrein ist der Heilige Geist als Taube dargestellt. Links und rechts der Altarwand befinden sich noch zwei spitzförmige Arbeiten aus dem alten Altar der Kapelle.

Vom Vorgängerbau übernommen wurde das Absperrgitter, auch die „Ewige Lichtampel“ stammt noch aus der alten Kapelle. Der Volksaltar besitzt einen 18 kg schweren Reliquienstein aus der alten Pfarrkirche (1891), die Kanzel, die Tabernakelsäule und der Priestersitz sowie die Ministrantenbänke sind zum Teil aus 300 – 500 Jahre altem Eichenholz des früheren Glockenstuhles (bis 1974) angefertigt.

Der alte Betschemel des Kopfinger Bildhauers Martin Plöckinger (+ 1974) wurde verbreitert, um für Brautpaare genügend Platz zu bieten. Nachdem die Zahl der Wallfahrten zurückging, sollte die neue Bründlkirche ja als eine Hochzeits­kirche „belebt“ werden, - was nicht ganz gelang.