Ruhland | eingestellt: 30.4.2020


Von der Kopfinger Auerhahnjagd ...

"Kopfing wird durch dieses edle Wild noch so berühmt werden, als es vielleicht bis jetzt verachtet war" ..

... schreibt die Steyrer Zeitung (9. 5. 1880) und spielt damit auf die vielen Raufereien und Messerstechereien vor rund 150 Jahren an, wofür Kopfing in ganz Oberösterreich bekannt war. 

Denn Kopfing hat etwas aufzuweisen, was es im ganzen Innviertel nur selten gibt: Das sind die Auerhähne!


Gasthaus "Kirchenwirt" mit der 1896 neu erbauten Kaserne (Post, Gendarmerie, Arzt, Kasse)
Gasthaus "Kirchenwirt" mit der 1896 neu erbauten Kaserne (Post, Gendarmerie, Arzt, Kasse)

Der „touristische“ Mittelpunkt in Kopfing war das Kirchenwirtshaus, Treffpunkt der Jäger und Jagdgäste, die auf Birkhühner und Auerhähne zielten.

Ein besonderer Gast war ein Jäger aus Sachsen; der Rittergutsbesitzer hatte in Kopfing eine Hahnenjagd gepachtet und kam jedes Frühjahr samt Diener hierher. Nach dem Neubau der Kaserne hatte er sich ausbedungen, die zwei benötigten Zimmer nicht im alten Kirchenwirtshaus, sondern im "Kasernen-Neubau" (er erhielt den Namen mit der Einquartierung des Gendarmeriepostens) zu beziehen. So nächtigte der herrschaftliche Jäger in den zwei Räumen der Gendarmerie; die Gendarmen mussten den Posten für den den sächsischen Jagdgast und seinen Diener räumen...

Der Feuilletonist des Tagblattes rätselt darüber, was der hohe Jäger wohl in Kopfing tut, wenn er nicht den Hähnen nachjagt. „Denn es ist hier nicht leicht, die Zeit totzuschlagen“, meint er, „und man muss allerlei Ansprüche daheimgelassen haben“, um es hier, „fern allen Menschenansammlungen“ und drei Stunden Fußmarsch „fern der Eisenbahn“ erträglich zu finden.

Trotzdem findet der Feuilletonist:

Dieses Dorf [KOPFING] thront stolz und frei und hoch über dem Innviertel, als ob es von Natur aus seine Metropole wäre.“ 

Greinz Hugo, Feuilleton „Innviertel“, in: Neues Wiener Tagblatt, 21. August 1920, Nr. 230, S. 2 f.

 

Die Ansicht Kopfings vor 1900 zeigt von links oben: Razenberger (Nr. 8, Krämerei), Kaserne und Kirchenwirt (samt Fleischhauerei, Nr. 6), Krämerhäusl (Nr. 5, Kulturhaus), Ungerwirtshaus (Nr. 23, Schatzl, Zauner); unterhalb der Dorfstraße von links: Mesnergütl (Nr. 7, Schulmeister Reicher), Kirche mit Pfarrhof, Weishäupl ("Handlung" Nr. 4), Weberjodlhäusl (Grüneis, Nr. 15). Nicht auf dem Foto Kopfing Nr. 2 (Binderhäusl).


Der sehr scheue Auerhahn - der größte Hühnervogel Europas - lebte in Bergwäldern vor allem dort, wo es seine Leibspeise - Heidelbeeren - gab.
Der dunkel gefiederte Auerhahn ist doppelt so schwer (bis zu 5 kg) und doppelt so hoch (bis 1 m) wie die Auerhenne. Während der Balzzeit ist der Hahn mit dem 100-fachen des üblichen Testosteron vollgepumpt und entsprechend aggressiv. Zu Tagesbeginn fängt der Hahn mit der Balz an, um die Hennen anzulocken. Sie singen den Hennen ein "Gstanzl" vor, ein kurzes Lied aus bestimmten Lauten...

"Die Anstrengung, welche es kostet, um einen Auerhahn zu erlegen" wird im Linzer Volksblatt (18.5.1878) geschildert:
Wie muss der Jägersmann nicht spionieren, um den Stand (Aufenthaltsort) eines Hahnes zu erforschen. Ist der Stand gefunden, dann heißt es bei schöner Nacht um 1 oder 2 Uhr in der Früh auf, über Stock und Stein und Gerölle zu diesem Platz hinziehen, denn vor Tagesanbruch ruft der Hahn in kläglichen Liebestönen und verrät sich so dem lauernden Schützen. Ist der Ruf vorüber, so vernimmt der muntere Hahn jedes Geräusch. Darum geht selbst der schlaueste Schütze oftmals umsonst...


                  Tages=Post vom 13. 5. 1882
Tages=Post vom 13. 5. 1882

In den Jahren 1878 - 1902 finden sich vor allem in der Tages=Post viele

 

Berichte zur Auerhahnjagd
in Kopfing

26. 4. 1878: Johann Lindinger, Bräuer in Raab, erlegt im Revier des Josef Grüneis einen Auerhahn von seltener Größe. Durch die unermüdliche Tätigkeit des Revierjägers Jakob Brunbauer ist es möglich, dass auch in unserer Gegend dieses Wild waidgerecht erlegt wird, da es auch hier Jäger gibt, denen eine Jagd desto lieber ist, je mehr Strapazen sie erfordert. (Tages=Post)

9.5.1880: Auerhahnjagd ... Die Zeit der Auerhahnbalze (März bis Mai) war gekommen und mit ihr fanden sich auch Jagdfreunde aus Fern und Nah` ein. Aus Altheim, Andorf, Sigharting, Taufkirchen, Schärding und Engelhartszell kamen sie herbei, und es wurden auch wirklich 3 prachtvolle Exemplare von Auerhähnen erlegt ...
Gleichwie die Auerhähne sich von Jahr zu Jahr immer mehren, so mögen auch die Jagdfreunde alle Jahre zahlreicher erscheinen: uns allezeit herzlich dahier willkommen. (Steyrer Zeitung)

19.4.1882 Meldung zur Auerhahnbalz, dass in den vergangenen Tagen mehrere prachtvolle Stücke Auerhähne abgeschossen wurden. In den Revieren in und um Kopfing gibt es auch Hasel- und Birkwild und seit dem Vorjahr Rackelhähne, äußerst seltene Bastarde von Birk- und Auerhähnen. (Tages=Post)

13.5.1882 Ein Rendezvousplatz für Auerhahnschützen. Das Auerhahnwild im Revier Kopfing vermehrt sich von Jahr zu Jahr und damit auch die Anzahl der Jagdfreunde, die zur Auerhahnbalz nach Kopfing kommen. Die Balzplätze sind ganz nahe beim Ort Kopfing gelegen... Überdies bietet die hohe, freie Lage des Ortes eine Fernsicht, die für das Auge des Naturfreundes stets neues Interesse erweckt und manchen ohne Jagdbeute abziehenden sein Missgeschick vergessen lässt. Auch kann man vom Bahnhof Andorf mit Benützung der neu errichteten Fahrpostgelegenheit am Vortage hieher gelangen, anstatt mit der bisherigen unpraktischen Verbindung über Münzkirchen. Es wird auch der mutige Unternehmer hervorgehoben, wodurch der Verkehr nach Kopfing ausgebaut werden kann. (Tages=Post)

29.9.1882 Kuriose Auerhahnbalz: Der Jagdaufseher Jakob Brunbauer war mit Jagdgästen auf dem Ameisberg im Revier des Jagdpächters Josef Grüneis aus Kopfing auf der Haselhühnerjagd. Um 12 Uhr mittags hörten sie das Balzen eines Auerhahnes, den sie auch sehen konnten. Da die Balz im April und Mai ist, dürfte das einzigartig gewesen sein. (Tages=Post)

6.4.1883 Auerhahnjagd. Am 3.4. erlegte Dr. August Redtenbacher aus Schärding in Kopfing einen Auerhahn mit einem Gewicht von 9 Pfund. Es war der erste heuer erlegte Auerhahn, und er wurde schon abgeschossen, weil „dieser alte Bursche“ in der Höhe der Balzzeit (um Georgi) stets spurlos verschwunden war. (Tages=Post)

6.4.1884 Am 3. 4. schoss der k.k. Notar Dr. August Redtenbacher aus Schärding in seinem Revier in Kopfing einen prachtvollen Auerhahn mit 10 Pfund Gewicht. (Tages=Post)

24.4.1884 Am 18. 4. fand in Kopfing eine Auerhahnjagd statt. Es wurde 2 Auerhähne, einer 8 Pfund schwer, geschossen. (Tages=Post)

30.4.1884 Am 27. u. 28. 4. wurden 3 prächtige Auerhähne geschossen: Dr. Redtenbacher und Herr Dr. v. Ritter aus Wels (jeder 8 Pfund schwer). (Tages=Post)

1.5.1903 Der Rückgang der Auer- und Birkhähne im gesamten Sauwald wird auf die schlechte Witterung zurückgeführt. Gar nicht oder nur ganz selten ist eine Balz zu hören. Gegenteilig heuer der äußert umfangreiche Schnepfenstrich. (Tages=Post) 


Weitere teils kuriose Berichte zur "Jagerei in Kopfing"

5.10.1888 Ausgiebige Jagd (?) im Revier Freilinger (Schiblerberg): Dauer 1 Tag, ca. 20 Jäger, 1 Hase erlegt. „Es darf daher einigen Schützen nicht übel genommen werden, wenn sie vom Schlafe übermannt, oder mit „Haselnussen“ beschäftigt, die Böcke unbehelligt passieren ließen.“ (Tages=Post, auch in Neue Warte)

28.12.1893 In Kopfing wurde bei einer Jagd ein schwarzer Kitzbock geschossen. (Tages=Post)

2.10.1897 Götzenberg-Jagd: 5 Böcke und 49 Hasen. Herr Herndl aus Sigharting schoss allein 3 Böcke. (Neue Warte);
28.10.1897 Schiblerberg-Jagd: 32 Hasen und 9 Rehe, leider auch 3 „Sie“ dabei… (Neue Warte)

12.11.1898 Jagdergebnis Feichtberg vom 29.10.: 6 Rehböcke, 14 Hasen, 1 Haselhuhn (Neue Warte)

8.1.1899 Hirschsichtung im Revier des Grafen Pachta (Vichtenstein) - der Hirsch entkam ins Revier Kopfing (Linzer Volksblatt)