Ruhland | aktualisiert: 1.12.2018

Urlaubssperre: Nichts mehr zu essen!

Das Aus für die Sommerfrische (heute: Fremdenverkehr) kam in manchen Gemeinden schon ab 1917, da die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln - selbst der Einheimischen - nicht mehr sichzustellen war. In manchen Gemeinden wurde die Sommerfrische bis ins Jahr 1922 ausgesetzt.


Wegen der Schwierigkeiten mit der
Versorgung griff das Land OÖ ein und verbot die Sommerfrische in den ersten Nachkriegsjahren. Noch 1920 wurde der "Sommerverkehr" in OÖ so lange ausgesetzt, bis die größte Nachkriegsnot überwunden war.

Die Gemeinde Kopfing zog am 28. 6. 1919 nach - eine Anzeige im "Linzer Volksblatt" machte bekannt: Die "Sommerfrische" wird  heuer abgeschafft.

 Neben den vielen "Hamsterern" (oft aus den Ballungsgebieten) waren nun auch die Sommerfrischler nicht mehr wollkommen: "Der Fremde war vom Gast zum Feind geworden". Der rasante Wertverlust der Krone und die einsetzende Hyperinflation zwischen 1918 und 1922 hatten die Fremdenfeindlichkeit angeheizt.  (Sandgruber, OÖN v. 10.11.2018).

Auch in den ersten Jahren nach dem Ende des 1. Weltkrieges fehlte es den Menschen an Geld, Arbeit und Lebensmitteln. Schleichhandel und Preistreiberei waren die Folge.  

Das Geld verlor über Nacht an Wert: 1923 kostete ein Quadratmeter Baugrund in Kopfing 10.000 Kronen, einige Monate später musste man für eine Schreibmaschine 5 Millionen Kronen auslegen. Der Verfall der Krone war auch der Grund dafür, dass führten immer mehr Gemeinden ab 1920 ein eigenes Notgeld ein...

Erst die Einführung der neuen Schilling-Währung mit 1. März 1925 setzte dieser wirtschaftlichen Abwärtsspirale ein Ende.


Auf Sommerfrische in Kopfing.

Die Wiener Familie Helene und Richard Rausch (Foto unten links aus dem Jahr 1931) verbrachte seit 1922 den Sommer in Kopfing (Wirt in Kopfingdorf, Lichthäusl) und machte sich in den frühen 1930er-Jahren in der "Rausch-Villa" ansäßig. (Vgl. dazu den historischen Abriss "Im Licht").

Seit 1934 kam der Dentist Franz Hort samt Familie aus Wien (Foto unten rechts aus dem Jahr 1959 mit Gattin Anna) den Sommer über nach Kopfing, 1946 ermöglichte ihm der persönliche Einsatz des damaligen Gemeindearztes Dr. Rudolf Weißensteiner den Aufbau einer eigenen Zahnarztpraxis in Kopfing. 


Der untenstehende Zeitungsartikel (1920) lässt sich aufgeklappt gut lesen.

Worum geht es in dieser Beschreibung, die mit Innviertel überschrieben ist und von Kopfing handelt?

Im Mittelpunkt stehen der Kirchenwirt, im Gendarmerieposten der Kaserne eingerichtete Nächtigungsmöglichkeiten, die Auerhahnjagd, schließlich ein sächsischer Jagdgast, dem die Gendarmen Platz machen müssen - und zuletzt um den frommen Wunsch, dass sich die Schieber zukünftig wieder mit dem Kegeln begnügen wollten ....