Moritat      D' Föhratpoint

(Überbringer Johann Schmidbauer, Jahr unbekannt)

 

Der Verfasser merkte an:

Kerschberger wurde nach 15 Jahren begnadigt, war jedoch nach seiner Entlassung in der Umgebung gefürchtet und verfemt.

Seine 2 Kinder nahmen die Kramer Nanni und der Mesner Karl an.

Die Rosl heiratete den Kornfelder Hiasl, sie lebt noch und wohnt im Peßler-Schloss in Riedau.

Es war im Jahr

neunzehnhundertzwoa,

wo sich das hat zuatragn

in da Kopfinger Pfoar.

 

Auf das Föhratpoint-Häusl

er fest spekuliert,

dass er's ausraubt und plündert

und 's Weiberl mordiert.

 

Am 6. April

da Palmsunda fallt ein,

da denkt si da Mörder:

Heut muass amal sein.

 

Net weit weg vom Häusl

passt da Mörder guat af,

wann d' Leut gehen in d' Kira,

da kimmt eam neamd draf.

 

Da Mann geht in d' Kira,

des nützt er iatzt aus.

Schreit: "Eichinger Resl,

sei so guat und mach af!"

 

Sie macht eam af voller Freud,

weil s'n eh scho so lang kennt.

Derweil is iatzt diesmal

ihr allerletzts End.

 

Wia s' as Vorhaus san kemma,

fasst er s' hintn beim Gnick

und hat's so fest gschmissn,

dass koan Laut nimma gibt.

 

Mit an scharfn Eisen

hat er s' fürchterli gschlagn

und z'letzt mit'n Taschnfeitl

die Gurgl durchfahrn.

 

Jetzt schaut er af d' Uhr,

wo er Zeit hat dazua,

dass da Raub wird vollendt

bis d' Kiraleut gehnt.

 

Kastn und Truha wird

aufgsprengt vo eam.

80 Guldn hat er gefundn

in da Saublattern drean.

In der Chronik des Gendarmeriepostens Kopfing (seit 1897) scheint das in der Moritat beschriebene Blutverbrechen nicht auf.

 

Als erstes Blutverbrechen wird im Sommer 1919 ein Raubmord in Entholz erwähnt, bei dem der 76-jährige Hausbesitzer Valentin De-Michl und seine 68-hährige Wirtschafterin Franziska Lech durch Axthiebe in ihren Betten erschlagen wurden. Der Doppelmörder wurde 4 Monate später im Traunviertel verhaftet.

Hint beim Türl is er aus.

So fein packt hat er's an,

dass net glei wer kennt,

wer die Mordtat hat tan.

 

Jiatzt ha ma koan Mörder,

woaß koa Mensch nix davon.

Reden alle in Kopfing

hat's da Hausbauer toan.

 

Der is Vater von 7 Kinder,

geht eam allwei recht sper.

Hat koa Muatta zu de Kinder,

drum: Schuldig ist er!

 

Muass die Kinder verlassn,

so lautet da Befehl.

Muass dreißig Tag sitzn

drin in Engelhartszell.

 

Gott hört seine Bitt'n,

die Zeit is jetzt aus.

Derweil kommt der Mörder

mit 'm Silbergeld auf.

 

An Püxmandl - Schleifer

die Gschicht scho auffallt,

das der Kerschberger d' Zech

mit Guldenstückl zahlt.

 

Bei der Gendarmerie

zeigt da Pum Xandl an,

jiatzt hams an Mörder,

da Kerschberger hat's tan.

 

Vo da Arbeit ham s'n weg

aufi af Riad,

an Strick um an Hals,

als Mörder traktiert.

 

Da Kaiser hat'n begnadigt,

gibt eam 20 Joar,

und is die Zeit uma,

wird's a mit ihm gar.