1941

Brief an Kopfings Pfarrer

Anton Matzinger

 

vom Priesterfreund Fattinger aus Linz

(in: Österreichischer Beobachter;

aus: Bestand des OÖ. Landesarchivs)

Pfarrer Anton Matzinger steht für einen Gesinnungswandel mit schwerwiegenden Folgen: Als im März 1938 die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, war er ein begeisterter Anhänger der neuen Ideologie und hielt sogar Wahlreden für die Volksabstimmung vom 10. April 1938. Bald erkannte Matzinger aber das wahre Gesicht des Nationalsozialismus und aus einem Befürworter wurde ein entschiedener Gegner. Matzinger wurde 1941 verhaftet und war lange Zeit in Untersuchungshaft. (Ernst Gansinger, Kirchenzeitung, 2013/03)

Dieser in der NS-Zeitung "Österreichischer Beobachter" abgedruckte Brief (1940) sollte Pfarrer Matzinger diffamieren. Der Kommentar in der Zeitung weist darauf hin, dass die „für die Zukunft des deutschen Volkes“ an der Front kämpfenden Männer gerne alle Opfer bringen und hungern, während katholische Geistliche nur an ihr eigenes Wohlbefinden denken.

Pfarrer Anton Matzinger wurde ein knappes Jahr später, 1941, von der Gestapo verhaftet; man warf ihm  Äußerungen staatsfeindlicher Art, Unruhe in die Bevölkerung zu tragen sowie die Untergrabung des Zusammenhalts zwischen Front und Heimat vor. Beweise gab es keine, trotzdem blieb er fünf Monate in Untersuchungshaft.

1943 ist einem privaten Briefwechsel zu entnehmen, dass er überlegte, von Kopfing wegzugehen und sich um eine andere Pfarre zu bewerben. 

Am 3. 1. 1945 wurde er wegen angeblichen Hörens von Feindsendern verhaftet, zum Tode verurteilt und eingesperrt, bis ihn die Amerikaner am 5. 5. 1945 aus dem Landesgericht Linz befreiten. Zeitzeugen berichten, dass diese Anzeige aus seinem direkten Umfeld gekommen sein soll. 

Gesundheitlich schwer geschädigt wirkte er weitere 10 Jahre als Pfarrer in Kopfing (1937 - 1955).

Die weihnachtliche Gestaltung des Altarraumes der Pfarrkirche Kopfing unter Pfarrer Matzinger war sehr stimmungsvoll: Das Kopfinger Waldchristkindl war eingebaut in einen Wald voller Christbäume rund um den Hochaltar.

Dieser Weihnachtsschmuck für die Pfarrkirche wurde 1937 in der Christmette erstmals den Gläubigen von Pfarrer Anton Matzinger (er hatte im Sommer des selben Jahres die Nachfolge des 1936 verabschiedeten Pfarrers Johann Klimesch übernommen) vorgestellt.

Nach den oben dargestellten Kriegsjahren wirkte Pfarrer Matzinger wieder in Kopfing und widmete sich auch der Sanierung des völlig heruntergewirtschafteten Pfarrhofs. 1951 wurden zwei neue Glocken geweiht, sie sollten die noch im Herbst 1944 abgelieferte große Bronzeglocke ersetzen. 1952 entstand das neue Kriegerdenkmal und 1953 wurde mit einer Turmkreuzsteckung die Turmrenovierung abgeschlossen.

Kopfings Pfarrer Anton Matzinger (1.6.1937 - 1.6.1955) kehrte nach der zweimaligen Haft in einer GESTAPO-Gefängniszelle gesundheitlich angeschlagen nach Kopfing zurück und blieb hier bis zu seiner Pensionierung - unterstützt vom Kooperator Kirchgatterer, dem Sighartinger Pfarrprovisor Karl Gabriel und dem Aushilfspriester Josef Fattinger (s. oben).

 

Nicht einmal 6 Jahre nach seiner Pensionierung verstarb er am 9. 4. 1961 im 72. Lebensjahr und im 48. Jahr seines Priestertums, wie auf seinem Sterbebild (links) vermerkt ist.

Er wurde in Michaelnbach bestattet - am 15. 10. 2016 wurden seine sterblichen Überreste auf Betreiben von Kons. Johann Klaffenböck von Michaelnbach nach Kopfing überführt und im Priestergrab an der Pfarrkirche Kopfing feierlich beigesetzt.