Ruhland | 18.12.2018


Franziska Körner: D' Kopfinger Sprach

Franziska Körner - geboren 1913 in Enzenkirchen, seit 1936 an der Volksschule Kopfing; hier war sie Jahrzehnte als Elementarlehrerin tätig. Die Kopfinger Mundart und die Volkskultur waren ihr immer ein großes Anliegen:

"Mir habn koa Ruine und ah net a Schloß,

und rar wer(d)n schaon d'Troadkastn, d'Loaterwagn, d'Roß, 

es san ka(u)m mehr Arln und Backöfn da,

net Hammerschmie(d)n, Brechlstubm, Mühln nebm an Ba(ch);

ma siehgt ba de Bau(r)nhäuser nimmer vül Bám, 

vergessn wer(d) schaon alte Ausdrück und Nám ..."


Franziska Körner (1972, aus Foto des Lehrkörpers der Schule entnommen)
Franziska Körner (1972, aus Foto des Lehrkörpers der Schule entnommen)

Franziska Körner (1913-2001)
Volkskundlerin und Mundartdichterin

Schon vor Beginn des 2. Weltkrieges begann Franziska Körner mit der Sammlung von Mundartwörten in und um Kopfing und fasste sie auch in Reime, welche die "stummen Zeugn nuh va ender" lebendig werden lassen.

Veröffentlichungen: Sie veröffentlichte ihre Gedichte ab den 1980er-Jahren in der Beilage der Rieder Volkszeitung, "die Heimat".

Ab 1989 gab sie in der Kleinbuchreihe "Lebendiges Wort" und über den Stelzhamerbund Gedichtbände heraus. Wer d'Hoamt liabt (1989), Aff der Sunnseit'n gehn (1992), Mundartgedichte (o.J.), Stumme Zeugen der Vergangenheit (o.J.) ...


A

af der Broatschaft-

          ausgebreitet herumliegen

af dr Pass - lauern

af Spát - am Abend

aft - nachher, dann, danach

Alstern - Elster

Amuxl - Amsel

Anef - Andorf

an iader - ein jeder

Ántn - Ente

Ápfn - Schmalzgebäck

 

Auf - Steinkauz (Totenvogel)

B

bal - bald

Bamhackl - Specht

beidt - wart', wartet

beidn - warten

Biran- Birken

Blanga - Gusto, Verlangen

Bleamö - Blume, Blumen

Blüahhenni - Blütenhonig

bo(d)ming - auf Boden liegend

Bráchtat - Gespräch

Broadlinghaxn - Krötenbeine

Bunkl - Kuchen

D

dennah - doch, dennoch

derfangt - erholt

derglängt - erlangt, erreicht

dernettn - erzwingen

derrisch - taub

Deuter - Wink

drent, drentad - drüben

duldt - geduldet

durhi - durch

E

ebba, ebban - jemand(en)

ebbs - etwas

ehnder - früher

Eichtl - Weile, kurze Zeit

enterisch - unheimlich

eppa - etwa, vielleicht

Erchtl - kleines Stück

Eritag - Dienstag

F

faihlt - fehlt

Feichta - Feiertag

flenna - weinen

foast - fett

folign - folgen

frei - fast

 

G
gaab - gäbe

gah, gach - jäh, plötzlich

gangs - ginge es

Ganser - Gänserich

gát - gibt

getal - talab(wärts)

Gfrast - Spreu, Abfall

Gjoad - Jagd

glangt - gereicht

glegn - komisch, lustig

gmirchtlt - schlecht gerochen

Göd - Pate

grad - nur

Grántarat - Kummer, Sorgen

gra(t)n - gelingen

groat'n - gerätselt, nachgedacht

gsinnert - gesonnt

Gstättn - Abfallhaufen

Gwehnat - Gewohnheit

H

Hao(h)dübl - Bartenberg

hä(l)der - besser

halling - demnächst

harebm - verärgern, ärgern

hä(r)cht - hart

Haschpin(g) - Hartwagen

häufti - viel

heb an - fang an

henga - aufhören

Hennerhabi - Hühnerhabicht

Herist - Herbst

hoaglih - heikel, wählerisch

Huabm - Hube, kl. Anwesen

I

iawnd, iawendamal - manchmal

iawendwer - irgend jemand

K

kam - kaum

kampln - kämmen

Kíllersedt - Königsedt

klöcka - zurechtkommen

Kundt - Mannsbild 

L

lab - fad, ohne Initiative

Larvn - Maske

Labian - Unentschlossener

lend - schwach

losad - sinnierend

losn, los! - horchen, hö zu!

lötz - schlecht

M

Máschkerer - Maskenträger

Maun(d) - Mond

Maunda - Montag

Mentsch - Mädchen

Miröcha - Mittwoch

Moahm - Muhme, Tante

Möschtrin(g) - Mörstalling

N

nachiflenna - nachweinen

netta - nur

nin(d)erscht - nirgends

O

Oa, Oar - Ei, Eier

Oachkatzl - Eichkätzchen

Oadaxl - Eidechse

oalafi - elf Uhr

oandíng - gleichgültig, egal

P

Pfin(g)sta - Donnerstag

pfnottn - mocken

Pfoad - Hemd

Pfoadl - Hemdchen

praundi - eitel, hoffärtig

R

raántn - sorgen, kümmern

Raoh(r)nudln - Wuchteln

Rauhnácht - Räuchernächte

rehrn - weinen

rewi - rührig, fleißig

rigln - bewegen

roatn - grübeln

S

Saori, saorign - Sorge, sorgen

Schántinger - Gendarm

Scher - Maulwurf

Siachting - Sigharting

sper - mager

Spürzaling - Speichel

Störi - Kletzenbrot

Strauka - Schnupfen

strottn - stochern

strubln - nörgeln

Stui - Stein (Ortschaft)

T

Tram - Traum

tráwi - eilig sein

U

üabint - manchmal

üabintamal - manchmal

umtraust - ahnst

V

vergra(t)n - misslingen

Vürchta - Vortuch, Schürze

W

waar, wäre

wasdawöll - was auch immer

Wehdam - Krankheit

wendn - Beschwörungsformel

          sprechen (zum Heilen)

winni - ganz erpricht

Woaz - Weizen

Woissn - Wespe

Z

zeidi - reif

zen, zent - sekkieren, sekkiert

z'fleiß - absichtlich

z'gro - zu sehr

z'niacht - schwach

z'taod - zu Tode

zwegnden - deshalb

zwegnwas - weshalb, warum




Foto: Stefan Leidinger (Selfie)
Foto: Stefan Leidinger (Selfie)

20 Jahre nach Franziska Körner hat die Kopfinger Mundart mit Stefan Leidinger einen jungen Sammler alter Ausdrücke gefunden, - der dazu die gesammelten Begriffe und Mundartwörter Interesssierten auch zugänglich macht!          https://stefanleidinger.wordpress.com/dialekt/

 

Interessant auch die Fülle an Informationen unter: "Boarisch"  -

                                http://www.bairische-sprache.at/ 

Univ.Prof. Dr. Hermann Scheuringer sammelt mit Mitarbeitern den Sprachschatz Oberösterreichs - er ist nicht nur nachzulesen, sondern im Internet auch abzuhören; viel Informatives zu Dialekten u. Sprachforschung unter: https://stifterhaus.at/index.php?id=10


KURZBIOGRAFIE: Schulrat Franziska Körner (1913-2001)

Franziska Körner erhielt ihre erste Lehrerstelle 1935 in Rainbach; sie kam mit ihrem Mann Ludwig (um) 1936/37 nach Kopfing, wo sie beide als Lehrer an der Volksschule unterrichteten.
Ludwig Körner war 1939 und nach der Kriegsgefangenschaft von 1950-1962 Leiter der Volksschule; er wurde im März 1962 zum Schulinspektor des Bezirkes Grieskirchen ernannt. Sein Nachfolger als Leiter der Volksschule wurde Otto Straßl.
Frau Schulrat Franziska Körner unterrichtete bis zu ihrer Pensionierung an der Volksschule Kopfing.

(Bild: Franziska und Ludwig Körner, 1957)