Die Kopfinger Katzenpredigt

Dechant Alois Heinzl erzählt vom Wahlsonntag im Jahr 1961, als Josef Grüneis-Wasner (Bauer in Rasdorf, Wirt in Kopfing) als Nachfolger von Heinrich Knechtelsdorfer

(Raffelsdorf) gewählt wurde.

Tonbandaufnahme eines mehrstündigen Interviews (Josef Ruhland | Dechant Alois Heinzl) zur Gestaltung der Pfarrkirche und Aufbau des Pfarrhofs (19. 5. 2004, Ausschnitt); 

Fotomontage: Presbyterium der Pfarrkirche 1960.

Dechant Alois Heinzl erzählt:

Es war Sonntag und zugleich Wahltag. Den Windfang gab‘s noch nicht, die Kirchentüre stand offen, und so konnte eine schwarze Katze während der Predigt bis ins Presbyterium gelangen.

Sie marschierte schnurstracks zu mir, schmeichelte sich an meinen Fuß, ging dann zu meiner Mutter, die stieß sie weg. Da wechselte die Katze an die andere Seite, wo die Pfarrhaushälterin Maria saß. Auch diese stieß sie mit dem Fuß weg. Ein Ministrant trug die Katze in die Sakristei, der Mesner warf sie bei der Tür hinaus.

Doch es dauerte nicht lange, marschiere die Katze von hinten wieder Richtung Hochaltar. Ich predigte gerade und gab dabei dem Mesner ein Zeichen, die Katze wegzubringen. Doch die war gescheiter geworden: Mit einem Satz sprang sie auf die alte Kanzel, dorthin wo früher der Pfarrer mit der Faust hinhaute, - und sie hatte die Lacher auf ihrer Seite. Das andächtige Zuhören war zu Ende, die Kirchenbesucher konnten sich vor Lachen kaum halten.

Ich machte nun die Katze zu einem Bestandteil meiner Sonntagspredigt, und meinte: „Die Katze gibt uns ein gutes Beispiel. Viele andere, die nicht so gerne in die Kirche gehen, könnten sich an ihr ein Beispiel nehmen! Und was ich jetzt sage, das sollte nicht für die Katz’ sein!“ Und ich führte aus, dass noch vor wenigen Jahren die Bevölkerung von gottlosen Menschen regiert wurde. „Ich bitte euch, wählt in unserer Gemeinde Leute, die einen Glauben haben, die die Kirche verteidigen und die in der Kirche mitarbeiten!“

Und die Wahl ging wirklich für die „Schwarzen“ gut aus, - ein „blauer“ Listenführer analysierte später die Wahl auf seine Weise: „Der Pfarrer mit seiner scheiß Katzenpredigt hat uns die ganze Wahl verdörebn!“