Weissensteiner: Arzt - Mythos


Gemeindearzt Dr. Rudolf Weissensteiner  1891-1967 

Er kam 1924 während der wirtschaftlich schlechten Zwischenkriegszeit als Allgemeinmediziner und Zahnarzt. Er blieb auch während des 2. Weltkrieges und ein Dutzend Jahre danach während der schwierigen Jahre des Aufbaues und Neubeginns bis 1957.

1946 setzte er sich intensiv für die Anstellung des Franz Hort als selbstündiger Dentist in seiner Ordination ein.

Bis 1930 hatte ein Allgemeinarzt zugleich die Berechtigung, als Zahnarzt zu arbeiten. Dr. Weissensteiner erwartete sich 1946 mit der Anstellung des Dentisten mehr Zeit für seine Patienten - doch die Ärztekammer war strikt dagegen: Sie erwartete eine Konkurrenz zum Gemeindearzt, dessen wirtschaftliche Basis so schon schlecht genug wäre.

Dr. Weissensteiner begründete in einem Schriftsatz seinen Wunsch und zeichnete damit auch ein Bild der wirtschaftlichen Verhältnisse: 

In der armen Berggemeinde Kopfing ist "für einen selbständigen Dentisten keine Existenzmöglichkeit gegeben, ebenso wenig wie für einen Gemeindearzt. Nur bei sehr bescheidenen Ansprüchen kann ein Arzt hier sein Auskommen finden, denn er muss einen großen Teil der Patienten aus den ärmeren Schichten unentgeltlich behandeln und sogar die erforderlichen Medikamente aus eigener Tasche bestreiten. … (Deswegen) wurde dieser Posten früher vom Land Oberösterreich subventioniert.“
Dr. Weissensteiner setzte sich durch, indem er Franz Hort in den nächsten Jahren als Dentist in seiner Praxis anstellte. Doch auch die Ärztekammer behielt mit der Prognose zunehmender Konkurrenz Recht: Schon in den 1950er-Jahren arbeitete Franz Hort selbständig als Dentist in Kopfing.

Was bleibt, ist: Niemals zuvor war ein Gemeindearzt so lange in Kopfing geblieben. Niemals zuvor wurde ein Gemeindearzt von der Bevölkerung so angenommen und teilweise verehrt. Viele ältere Leute erinnern sich noch heute in Dankbarkeit an Dr. Weissensteiner als medizinischen Helfer - der damals schon oft "bargeldlos" arbeitete: Ein Ranken Speck, ein Laib Brot und manchmal auch ein bloßes "Danke" waren nicht selten die Bezahlung …

 

Oben: Die erste Ordination von Dr. Weissensteiner (um 1925) über dem damaligen Postamt im Haus Kopfing, Dr. Weissensteiner Straße 32 (Schmidbauer). Vor dem Haus dürfte Dr. Weissensteiner (mit Hund) zu sehen sein ...

 

Links: Gedächtnisausstellung im Kulturhaus Kopfing

Eröffnung der Gedenkwand mit der Kultursaison 2019. 


Würdigung von Dr. Weissensteiner in der damaligen Rieder Volkszeitung

nach dem Begräbnis: