Ruhland | aktualisiert: 9.12.2018


Dr. Weißensteiner: Arzt - Mythos

Er kam 1924 als Arzt nach Kopfing, nach vielen Jahren ohne Gemeindearzt von den Menschen sehnsüchtig erwartet. Die Zeiten waren wirtschaftlich schlecht, eine Bezahlung der Honorare war nicht die Regel, doch Dr. Weißensteiner blieb bis 1957.


Gemeindearzt Dr. Rudolf Weißensteiner  1891-1967 

Er kam während der schwierigen Zwischenkriegszeit als Allgemeinmediziner und Zahnarzt. Er blieb auch während des 2. Weltkrieges und ein Dutzend Jahre danach während der nicht leichten Jahre des Aufbaues und Neubeginns bis 1957.

1946 setzte er sich intensiv für die Anstellung des Franz Hort als selbständiger Dentist in seiner Ordination ein und förderte auch seine Niederlassung als Zahnarzt in Kopfing.

Bis 1930 hatte ein Allgemeinarzt zugleich die Berechtigung, als Zahnarzt zu arbeiten. Dr. Weissensteiner erwartete sich 1946 mit der Anstellung des Dentisten mehr Zeit für seine Patienten - doch die Ärztekammer war strikt dagegen: Sie erwartete eine Konkurrenz zum Gemeindearzt, dessen wirtschaftliche Basis so schon schlecht genug wäre.

Dr. Weissensteiner begründete in einem Schriftsatz seinen Wunsch und zeichnete damit auch ein Bild der wirtschaftlichen Verhältnisse: 

In der armen Berggemeinde Kopfing ist "für einen selbständigen Dentisten keine Existenzmöglichkeit gegeben, ebenso wenig wie für einen Gemeindearzt. Nur bei sehr bescheidenen Ansprüchen kann ein Arzt hier sein Auskommen finden, denn er muss einen großen Teil der Patienten aus den ärmeren Schichten unentgeltlich behandeln und sogar die erforderlichen Medikamente aus eigener Tasche bestreiten. … (Deswegen) wurde dieser Posten früher vom Land Oberösterreich subventioniert.“
Dr. Weißensteiner setzte sich durch, indem er Franz Hort in den nächsten Jahren als Dentist in seiner Praxis anstellte. Doch auch die Ärztekammer behielt mit der Prognose zunehmender Konkurrenz Recht: Schon in den 1950er-Jahren arbeitete Franz Hort selbständig als Dentist in Kopfing.

Niemals zuvor war ein Gemeindearzt so lange in Kopfing tätig. Niemals zuvor wurde ein Gemeindearzt von der Bevölkerung so angenommen und teilweise verehrt. Viele ältere Leute sind Dr. Weißensteiner noch heute dankbar für einstige ärztliche Hilfe;  er verzichtete nicht selten auf sein Honorar und überließ auch benötigte Medikamente gratis: Ein Ranken Speck, ein Laib Brot und manchmal auch ein bloßes "Danke" waren oft die Bezahlung …

Oben: Die erste Ordination von Dr. Weißensteiner (um 1925) über dem damaligen Postamt im Haus Kopfing, Dr. Weissensteiner Straße 32 (Schmidbauer).

Vor dem Haus Gemeindearzt Dr. Weissensteiner (mit Hund) ...

 

Links: Gedächtnisausstellung im Kulturhaus Kopfing

Eröffnung der Gedenkwand mit der Kultursaison 2019. 


Würdigung von Dr. Weißensteiner in der damaligen Rieder Volkszeitung

nach dem Begräbnis: