Dechant Alois Heinzl erzählt von seinen ersten Jahren in Kopfing (ab 1955).

Tonbandaufnahme eines mehrstündigen Interviews (Josef Ruhland | Dechant Alois Heinzl)

zur Gestaltung der Pfarrkirche und Aufbau des Pfarrhofs (19. 5. 2004, aus Datenschutzgründen teilweise gekürzte Ausschnitte ohne Namen)


Der Pfarrhof 1955 war eine Ruine. Weil ihm keine vernünftige Renovierung erlaubt worden war, musste der Pfarrhof schlussendlich zweimal renoviert werden.

"Wie ich den Pfarrhof bei uns zum ersten Mal hergricht hab, dös wa a a Tragik. Wia dö af da Gemeinde ghört ham, dass i Holz schlägern tua und dass wir mit dem den Pfarrhof gscheit herrichtn, haben sie sich aufgregt und mi bei der Diözesanfinanzkammer anzeigt." ...

"I hab 6 Jahr Schlägerungsverbot kriagt. 6 Jahr, dös musst du dir vorstelln. Und die Bruchbude vo Pfarrhof.

Da hat ja a halbs Jahr neamd drin gwohnt, wia i kemma bin. Alles war nass und voller Schwamm, im Erdgeschoss habn die Ratten gwohnt. Die Türen warn nicht zum Absperren, die Fenster habn wir mit Schnür' zuabindn müassn!"

 

Der größte Kampf um die Erhaltung von Pfarrhof und Kirche ist der Kampf gegen das Wasser.

Im Pfarrhof-Erdgeschoss mussten schließlich 60 cm Erdreich abgetragen werden, um besser abdichten zu können. Drüber kamen Fliesen, weil ein Holzboden bisher nach ein paar Jahren verfaulte.

„Wie i durch den Pfarrhof-Umbau den größten Saustall gehabt hab, da ist der Bischof Zauner mit’n Motorradl kemma. ‚Ich sehe nur Baustellen. Hoffentlich weiß die Diözesanfinanzkammer davon’ meinte Bischof Zauner. Darauf hab i gsagt: ‚Herr Bischof, bitte sagn’S ja nichts, sagn’S ja nichts!’

Der Bischof hat nur g'lacht und hat dös oft bei seine Pfarrvisitationen erzählt, was er da in Kopfing erlebt hat.“

 

Seine Erfahrungen mit der für das Bauwesen bei Pfarrhof wie Kirche zuständigen Diözesanfinanzkammer fasst er so zusammen:

„Und gfragt hab i nienascht, weil wann i da gfragt hätt beim Ordinariat, da wa bis heut nu koa Griff gschegn. Weil dös Ordinariat – da san wir owei recht bös, die Pfarrer haben da recht garstige Ausdrücke dafür – da sagn wia, dass beim Ordinariat kein Mensch a ledigs Kind kriagn koa.

Dös is unmöglich, weil innerhalb von 9 Monate haben die nu nia wos zstand bracht, was Händ und Füß hat“.

 

Angemerkt: Der Dombaumeister Schlager war auch der Kopfinger Kirchenbaumeister (und der Onkel von Heinzl's Wirtschafterin Maria Schauer).

Die Pfarrkirche ist ein letzter Nachklang des Barock (Nazarenerstil), einige Stuckarbeiten und Gemälde belegen das. Die Strukturierung der Außenwände entwarf  (Vorbilder waren Darstellungen auf Votivbildern) in den 60er-Jahren Dechant Heinzl selber. 

Dechant Heinzl wirkte rund 50 Jahre in Kopfing als Pfarrer - immer war er auch Baumeister:

Pfarrhof, Pfarrkirche, Friedhof, die Kapellen im ganzen Pfarrgebiet - es gab viel zu tun ...


Zur Zeit des Kirchenbaues war die Herz-Jesu – Verehrung sehr groß - so war die Kirche als eine Herz-Jesu – Kirche gedacht, es gab 1905 in Kopfing auch eine Herz-Jesu Bruderschaft, die den rechten Seitenaltar stiftete.

Der Bogen vor dem Presbyterium zeigt die Verehrung des Herzen Jesu durch die Engel im Himmel und durch die Verehrung der geistlichen und weltlichen Stände. Die weltlichen Stände links lassen im Ulan ein Selbstbildnis des Kirchenmalers Engelbert Daringer erkennen. Bei den geistlichen Ständen schaut der Pfarrer aus wie der Klimesch. 

Ursprünglich war im Altarraum der Pfarrkirche nur ein kleines Vortragskreuz über dem Tabernakel.

 

"Jetzt hat Kopfing eine große Kirche und nur ein ganz kleines Kreuz", sorgte sich Pfarrer Heinzl und fand über den in Münzkirchen arbeitenden Bildhauer Mayrhofer den Hinweis auf das Kreuz in der Salzburger Getreidegasse.

„Bi i hinganga, hab ma dö Frechheit erlaubt, und han gsagt, ... i tat dös gern kaufn für mei Pfarrkirche im Sauwald, a recht a arme Gemeinde, die haben nöt recht vül, ... hab i halt gred recht armselig, dann hab i gsagt, i tat eana dös, wann sie’s hergebn glei zahln, i hätt 16.000 Schilling zur Verfügung, dös kunnt i eana sofort überweisn. Darauf hat der Besitzer gmoant: ‚Sie, passns auf, san Sie verruckt, unter 61.000 geht nichts!’ Heut gangat unter 600.000 a nu nix, dös is ja a Millionenwert.

I han dann lang bettelt,... wanns halt a bissl mitfühln tatn. Da hat sich sie umdraht und gmoant: ‚Unter 20.000 geht überhaupt nichts’ und is ganga. Af dös hat er gsagt: ‚Na, geb ma eams um 16.000!’ Und aft hab i’s hoam bracht. I hab s’ Geld überwiesen, da Mayerhofer halts gholt und restauriert und so hab is her griagt.

Dann hab i a Plan gschickt ins Ordinariat, ob wir die Vorderwand so mit dem Kreuz gestalten dürfen. Schreibt der Dombaumeister Nobel zurück: ‚Das Kreuz ist sofort zurück zu geben …’.

Da hab i mir denkt: Zruckgebn? I kann mirs ja selm a kafn, nö? ... 

Die Innenausstattung war nicht einfach. Mutter Anna und Johannes der Täufer sind noch vom alten Hochaltar. Heinzl suchte lange eine passende Johannesstatue.

"Weißt, wia d' Kirchn baut wordn ist, san die altn Heilign (= Statuen) als Dank für die Robot hergebn wordn. Und so ein braver Bauer war da Brunner, da Doblinger in Kopfingerdorf. Der hat die Statue in sein hölzern Saustall aufgehängt. Auf mei Bitten hat er sie der Kirche wieder zruck gebn.

Und ... oa mal hab i mir d’Leichenkammer angschaut. Die war voll mit Grümpel, i hab Gummistiefel anghabt und hau mit an Fuaß in dös Grafflat drein. 'Dös is ja was Gschnitztes da', denk i mir.

Dann hab i mir a Foto vom alten Hochaltar angschaut und i bin draufkemma, da hand ja Teile dabei von dem Tabernakel. Da Bildhauer Meierhofer hat dös trocknet und dann hat er den Tabernakel ergänzt und wieder zsamm baut.“