Ruhland | 13. 1. 2019


Als das Licht nach Kopfing kam ...

Strom gab's nur am Wasser: Wasserräder drehten einst den Dynamo - das elektrodynamische Prinzip als Grundlage unserer Stromerzeugung funktioniert am Fahrrad genauso wie an der sich drehenden Turbinenachse.

Was heute selbstverständlich ist, das war noch vor 100 Jahren eine Sensation: Elektrischer Strom. Den ganzen Tag über. Licht in Haus und Stall. Futterschneiden mittels Elektromotor ...

Was Elektrizität für uns bedeutet, braucht nicht ausgeführt werden: Das zeigt uns anschaulich alleine die Vorstellung von ein paar Tagen ohne Strom...

1889 hatte Heinrich Weishäupl das Haus Nr. 4 in Kopfing gekauft. 1899 baute er das Haus großzügig neu auf - und beleuchtete es als erster in Kopfing mit Karbidlampen und ersetzte Kerzenflamme und Öllampen durch das (fast) russfreie Karbidgas.


Wie das Licht nach OÖ kam ...

 

1879/80 Erfindung der Glühlampe

          (in Amerika von Thomas A. Edison) 


1894 erstmals Beleuchtung von 2 Hotels

          im Salzkammergut durch die Firma

          Stern und Hafferl;

1905 Aufbau eines oö. Verbundsystems

          durch die Fa. Stern und Hafferl;
1924 Fertigstellung des ersten

          Großkraftwerkes Österreichs in

          Partenstein durch die Gesellschaft

         OWEAG;

1929 ÖKA (Öst. Krafwerkge AG) entsteht

          durch die Fusionierung der OWEAG-

          Gesellschaft sowie Stern und Hafferl;
1947 OKA (OÖ Kraftwerke AG) entsteht

          durch die Verstaatlichung der

          Elektrizitätswirtschaft Österreichs;

1999 EAG (Energie AG) - Umbenennung

          mit Ausweitung des Geschäftsfeldes.

 

(Nach R. Sandgruber, OÖN v. 2.4.2008)

 

VERBUNDNETZ - Aufbau in Kopfing:

 

1937 Öst. Kraftwerke AG (ÖKA) - s. unten!

Wie das Licht nach Kopfing kam ...

INSELNETZE:

 

1915 (?) Lichthäusl Heinrich Weishäupl,

          Kopfingerdorf:  s. unten!

 

1917 Josef Kieslinger, Glatzing:  s. unten!

1917 Josef Grüneis (Freilinger), Raffelsdorf:  

          s. unten!

1917 Josef Heinz, Häusler in Schiebl,

          Entholz 6: Wasserrad für Eigenbedarf an

          Lichtstrom und Wiesenbewässerung!

          Die Stromerzeugung gestaltet sich 1925/26

          schwierig, da Franz Wipplinger, der Besitzer

          der Schieblermühle, oft unbefugt "schwellt".

  

1920 Stier Hammerschmiede, Beharding: 

           Fortführung durch Leopold Luser - s. unten!

 

1921 (?) Klostermann, Matzelsdorf: Bis 1926

         Stromerzeugung für den Eigenbedarf!

        

1925 (?) Rathschmied, Leithen: Den Hammer

          der Schmiede trieb ein Wasserrad an;

          der Werksgraben und die Turbine für den

          Eigenbedarf an Strom sind noch in Betrieb!

          Die "Rathschmiede" scheint in keinem

          Verzeichnis als "Stromerzeuger" auf.



Lichthäusl-Wasserrad (1925)
Lichthäusl-Wasserrad (1925)

Der Kaufmann Heinrich Weishäupl baute eine alte Hausmühle am Tiefenbach schon vor 1917 gemeinsam mit dem Gastwirt Johann Unger zwecks Stromerzeugung um: Das Wasserrad trieb den im Keller montierten Dynamo (einen 8 PS - Motor), der den Strom erzeugte; über eine mehr als 2 km lange Freileitung wurde die Elektrizität zur Weishäupl-Wirtschaft neben der Pfarrkirche geleitet; dort sorgte der elektrische Strom für das Licht - das vom Lichthäusl kam...

 

Die Stromerzeugung im Lichthäusl wurde 1922 behördlich genehmigt, - mit der Vorgabe, die insgesamt veraltete Anlage auf den Stand der Technik zu bringen.

Die Modernisierung durch eine Turbine übernahm Weishäupl alleine - Unger steckte mit seinen Unternehmungen (Gasthaus, Dampfsäge, Hof in Knechtelsdorf) in finanziellen Schwierigkeiten.

 

     Lichthäusl-Aufstockung (1918)
Lichthäusl-Aufstockung (1918)

Die Fotos unten zeigen den Bau des "Wehrl" und eines "Turbinenhauses"; neben dem im Bau befindlichen Turbinenhaus ist am linken Bildrand das neu laut Plan (Abb. links) mit Ziegeln aufgestockte Lichthäusl zu erkennen.

 

Weishäupl's zweites E-Werk ging ab dem Jahr 1923 in Betrieb: Das Wasser kam unterirdisch von der oberhalb am Tiefenbach gelegenen Wehranlage durch eine Rohrleitung. Eine neue Turbine machte das Wasserrad für die Stromerzeugung entbehrlich.

Weishäupl versorgte vom Lichthäusl aus immer mehr Häuser in Leithen, Kopfingerdorf, Götzendorf und Kopfing mit Elektrizität, - nicht nur Licht- sondern auch Kraftstrom für seine Landwirtschaft erzeugte sein zweites E-Werk. 

 

Bis zum Aufbau des Verbundnetztes durch die ÖKA im Jahr 1937 kam der Strom vom Lichthäusl.. 

Von Wasserrad und Wehrgraben zum Stauwerk mit Rohrleitung zur Turbine (1923, Lichthäusl-Ausbau)
Von Wasserrad und Wehrgraben zum Stauwerk mit Rohrleitung zur Turbine (1923, Lichthäusl-Ausbau)
Bau des Turbinenhauses neben dem Lichthäusl (1923, Repros: Ruhland)
Bau des Turbinenhauses neben dem Lichthäusl (1923, Repros: Ruhland)

Die Lichtanlage des Josef Kislinger stand am knapp 300 m entfernten Gänsbach (Schmiedbach), von dem das Wasser über einen Werksgraben zugeleitet und dann wieder nach 50 m zurück in den Gänsbach floss. Der Lichtstrom wurde mit einem 3,5 PS Elektromotor (Dynamo) erzeugt.

Die Anlage war (wie einige andere) zumindest schon 1917 in Betrieb; sie sollte dann 1924 nachträglich kollaudiert werden - doch da und auch bei späteren Erhebungen bis 1926 war sie angeblich nicht mehr in Betrieb...

Elektrizitätsversorgung durch das E-Werk Kislinger (1921) - unten: E-Werk Kislinger (Schnitte)
Elektrizitätsversorgung durch das E-Werk Kislinger (1921) - unten: E-Werk Kislinger (Schnitte)

Hauptbetreiber der Anlage war Josef Kislinger. Das kleine - erst 1922 kollaudierte - E-Werk lieferte über eine Lichtleitung mit 10 Masten Lichtstrom für Glatzing:

Nr. 1: Zäzilia Schwendtner (Bauer, 

          Hafeneder)

Nr. 2: Josef Kislinger (Bauer, Abranham)

Nr. 3: Martin Wasner (Bauer, Straßl)

Nr. 4: Maria Maier (Häuslerin,

          Taub'nhansl)


Betriebsgenehmigungen für Lichtanlagen

1924 war von der Landesregierung eine Erhebung der zur Gewinnung von Elektrizität errichteten Kleinkraftwerke durch die Gendarmerieposten vor Ort vorgenommen worden; diese "Aktion scharf" hatte die nachträgliche Genehmigung, Erteilung von Betriebsbewilligungen und eine Kollaudierung der Lichtanlagen - mit nicht geringen Gebühren - zum Ziel.

Im Gemeindegebiet von Kopfing war in der Zeit eigentlich nur das Lichthäusl des Heinrich Weishäupl  behördlich genehmigt. Da sich das Gemeindeamt nicht sehr kooperativ zeigte, wurden seitens des Landes OÖ die Erhebungen zwischen 1924 und 1926 von der Gendarmerie vorgenommen.

 

1924 ersuchten Martin Baumgartner (Dürnberg), Josef Grüneis (Raffelsdorf), Leopold Luser (Beharding) und Josef Heinz (Entholz, Hosen) um Genehmigung ihrer Elektrizitätswerke und der dazu notwendigen Freileitungen: Jeweils 340.000 Kronen waren dafür an Gebühren auszulegen.

1926 wurden die entsprechenden Betriebsbewilligungen nach kommissioneller Überprüfung erteilt.

Das Landesgendarmeriekommando teilte aufgrund von Erhebungen vor Ort der Bezirkshauptmannschaft Schärding mit, dass die Anlagen Kislinger (Glatzing) und Klostermann (Matzelsdorf) nicht mehr im Betrieb sind.


Lageplan Freiling-Dürnberg (1923)
Lageplan Freiling-Dürnberg (1923)

Das E-Werk des Josef Grüneis

(Freiling, Raffelsdorf 6)

Die Lichtanlage am Beckenbach wurde 1918 errichtet und diente der Lichtstromerzeugung.

 

Ab 1923 lieferte das E-Werk (3,5 PS) auch Strom zu den beiden Bauern (Oberbauer, Nr. 3 und Bangel, Nr. 4) in Dürnberg "offiziell" zur Beleuchtung der Anwesen ohne Entgelt für den Nachbarn Bangel.

Die Leitung zum Freilinger-Gut brauchte nur 4 Masten; die Erschließung der beiden Höfe in Dürnberg erfolgte über eine Lichtleitung mit 10 Masten, die über die Dirnberger Mühle (Nr. 1) angelegt worden war.

 

Da die Erzeugung von Kraftstrom wie auch Stromlieferungen an weitere Abnehmer mit höheren Kosten und umfangreicheren behördlichen Auflagen verbunden waren, wurde darum oft nicht angesucht.


Das Elektrizitätswerk bei der alten Hammerschmiede in Beharding

Das E-Werk am Tiefenbach wurde schon vom letzten Hammerschmiedmeister, dem 1919 verstorbenen Johann Woitsche, im Auftrag des Besitzers Franz Fuchs vom "Stiergut" in Beharding Nr. 1 gebaut und hatte wie die meisten anderen auch einen 3,5 PS - Motor.

Wagnerhäusl des Leopold Luser (1940)
Wagnerhäusl des Leopold Luser (1940)

Als der Wagnermeister Leopold Luser die Hammerschmiede 1920 kaufte, versorgte das E-Werk schon die Ortschaft Beharding (neben dem Stiergut Nr. 1 die Höfe "Grünberger", Nr. 3 und "Bauer", Nr. 4) und das Hammerschmiedhäusl selber mit Lichtstrom, - im Kaufvertrag wurde die Gratislieferung auch von Kraftstrom zum Stiergut festgelegt. Auch die behördliche Bewilligung stimmt mit Jahr des Hauskaufs überein.


Stromversorgung für Kopfing und Kopfingerdorf 1937

Der Ausbau wurde möglich, nachdem Weishäupl das bestehende Ortsnetz seiner Gleichstromanlage der ÖKA verkauft hatte.

Die Elektrizität wird aus Richtung Mitterndorf nach Kopfing geleitet.

Eine 10 kV-Hochspannungsleitung verbindet die zu errichtenden Transformatoren zwischen Neukirchendorf und Kopfing (2,1 km); sie daher stellt die Verbindung zum Überlandnetz dar, - ein Niederspannungsleitungsnetz (betrieben mit Drehstrom ) erschließt die einzelnen Stromabnehmer, die durch zwei Stromkreise mit Licht und Kraft versorgt werden (Stromkreis 1: Kopfing, Kopfignerdorf, Götzendorf und das Hofstätteranwesen; Stromkreis 2: Gigering und Rasdorf).